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BUNDESBILDUNGSANSTALT  FÜR  ELEMENTARPÄDAGOGIK  LINZ

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LEDERERGASSE 32D

LEHRGANG FÜR INKLUSIVE ELEMENTARPÄDAGOGIK

DAUER: 5 JAHRE

PRAXISKONZEPT

BILDUNGS- UND LEHRAUFGABEN (STAND September 1999)

Die Lehrgangsteilnehmerinnen sollen befähigt werden, ihre Bildungs- und Erziehungsarbeit eigenständig und verantwortungsbewusst gemäß dem jeweils aktuellen Erkenntnisstand der Fachwissenschaftsbereiche durchzuführen.

Der gesamte Unterricht soll die Schüler bzw. die Studierenden auf die Arbeit im interdisziplinären Team in den unterschiedlichen Bereichen des Berufsfeldes einschließlich der Hausfrühförderung vorbereiten sowie Gesprächs- und Beratungskompetenz vermitteln.

LEHRSTOFF BERUFSFELDPRAXIS (STAND September 1999)

  • Praxis in verschiedenen Institutionen des Berufsfeldes
  • Anleitung zur differenzierten Beobachtung (Einzelkind, Gruppe, Erzieherverhalten)
  • Handlungsorientierter Transfer der theoretischen Ausbildungsinhalte
  • Planung, Umsetzung und Reflexion konkreter Vorhaben
  • Anlegen und Führen von Arbeitsunterlagen
  • Zusammenarbeit mit Eltern sowie mit dem engen, erweiterten und interdisziplinären Team
  • Besprechung der gesammelten Erfahrungen der praktischen Arbeit in den Praxisstätten

GRUNDSÄTZE DER PRAKTISCHEN AUSBILDUNG

Alle Ausbildungsinhalte der fünf Semester stehen auf den Grundsätzen einer humanistischen und konstruktivistischen Perspektive in der Heilpädagogik. In beiden Sichtweisen wird der Mensch  als Individuum mit seinem Wissen und Können in den Mittelpunkt des Handelns gestellt.

„Während der Humanismus den Menschen in all seinen biographischen und subjektiven Vollzügen fokussiert, befasst sich der Konstruktivismus mit seiner individuellen Wahrnehmung und Deutung dieser Welt“ (Greving, Petr 2009, S. 43)

Humanismus bedeutet Streben nach Menschlichkeit, Achtung der Menschenwürde und das Bewusstsein, dass jeder Mensch ein lernfähiges Individuum ist.

„Wichtig ist zu wissen, dass das Menschenbild in der Heilpädagogik alle Menschen umfasst – egal ob mit oder ohne Behinderung. Denn die Einzigartigkeit und Würde gilt für alle (…) Ein Mensch mit mehrfacher schwerer Behinderung ist genauso wie ein Mensch ohne Behinderung ein einzigartiges Individuum mit den gleichen elementaren Bedürfnissen und eigenen Potenzialen, obwohl sein Leben einem Außenstehenden vielleicht als sinnlos erscheinen mag.“ ( ebd., S. 56)

Die Bedeutung einer konstruktivistischen Sichtweise in der Heilpädagogik liegt darin, dass damit deutlich wird, wie sehr Menschen mit ihrer Wahrnehmung eine eigene Wirklichkeit erzeugen und nicht einfach das Äußere der Welt spiegeln und abbilden. Kein Mensch (keine pädagogische Fachkraft) kann also davon ausgehen, dass es neben dem eigenen Erfahrungs- und Erkenntnisweg nicht auch noch andere Wege geben könnte.

Für das heilpädagogische Handeln lassen sich aus dieser Sichtweise vier Hinweise differenzieren. (vgl. ebd., S. 76f)

  1. Die Bedeutung der Wahrnehmung 
    Beobachtungen stellen sich ebenfalls als Konstruktion von Wirklichkeit dar. Der Prozess der Beobachtung muss daher reflektiert werden und die päd. Fachkraft muss bereit für einen Perspektivenwechsel sein.
  2. Die Bedeutung der Kommunikation
    Kommunikationsprozesse beeinflussen sich gegenseitig. Im heilpädagogischen Handeln geht es darum, Austauschprozesse zu provozieren und feinfühlig zu gestalten. Alltagssituationen, aber auch angeleitete Situationen wie Rhythmik oder besondere Spielsituationen sollten als Hilfsmittel verstanden werden, Kommunikationsprozesse zu realisieren.
  3. Die Bedeutung des Lernens und Lehrens
    Für die Didaktik und Methodik in der Heil- und Sonderpädagogik stellt sich die Frage, wie Lernprozesse konstruiert bzw. dekonstruiert und rekonstruiert werden können. Ausgehend von einem Bildungsverständnis in dem das Kind als „Akteur seiner Entwicklung“ gesehen wird, wird deutlich, dass Bildung nicht vermittelt werden kann. „Lern- und Bildungsprozesse sind nicht darauf beschränkt, dass Neues von anderen übernommen und persönlich angeeignet wird.“ (Schäfer 2014, S. 35)

    Für das Handeln im heilpädagogischen Kontext ist hier besonders wichtig, dass Bildung sich vor allem im sozialen Austausch (sozialkonstruktivistisch) erschließt. Der grundlegende Gedanke besagt also, dass die Beteiligung des Kindes an seiner sozialen und kulturellen Umwelt entscheidend ist. „Die Aufgabe des Erwachsenen besteht – unter dem Gesichtspunkt der Beteiligung der Kinder – zunächst im wesentlichen darin, Kindern einen sozialen und sachlichen Rahmen vorzugeben und zu sichern, der ihnen gestattet, ihr jeweiliges Können so weit wie möglich einzusetzen und es – vornehmlich in Alltagszusammenhängen – weiter zu entwickeln.“ (ebd., S. 70)
  4. Die subjektive Wirklichkeit besteht aus Erfahrungen und Gelerntem
    Die gelernte und erfahrene Wirklichkeit ist unsere gemeinsame Lebenswelt. Auch die Didaktik und Methodik in der Heilpädagogik ist letztlich eine Konstruktion, die dialogisch das Ziel einer „…Sinngebung im Rahmen ko-konstruktiver Prozesse verfolgt und im besten Falle verwirklichen kann.“ (Greving, Petr 2009, S. 77)

LEHRSTOFF BERUFSFELDPRAXIS (STAND September 1999)

Als wichtiger Baustein der praktischen Ausbildung gilt auch der „inklusive Gedanke“ der das Individualitätsprinzip mit einschließt. Es ist normal, dass Kinder sich individuell in ihrer Entwicklung oft erheblich unterscheiden.

Am 13. Dezember 2006 beschloss die 61. Generalversammlung der Vereinten Nationen das „Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (UN-Behindertenrechtskonvention). Ziel dieses internationalen Vertrages ist es, die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern und zu schützen.

Bereits 2007 unterzeichnete auch Österreich dieses internationale Übereinkommen, wodurch Bund, Länder und Gemeinden gleichermaßen gefordert sind, die Ziele der Konvention für Österreich umzusetzen. Inklusion wird vom Menschenrecht zum Auftrag.

Diesem Auftrag möchten auch wir in diesem Lehrgang gerecht werden.

Die Inhalte der Praxisbesprechungen bzw. die konkreten Aufgabenstellungen in den fünf Semestern sollen den genannten Grundsätzen entsprechen.

Im Bewusstsein, dass wir keinen direkten Einfluss auf das Denken und Handeln von Kindern haben und ihnen nur über die Gestaltung von Lernsituationen, im Sinne einer optimalen dinglichen und personellen Umwelt, Möglichkeiten für ihr individuelles Lernen bieten können, nehmen wir den Gedanken von Frau Anneliese Spreckels-Hülle als richtungsgebend für diese Ausbildung

„Jedes Kind hat ein Recht auf Teilhabe und Mitwirkung an der Gestaltung des eigenen Lebens, unabhängig davon, ob es sich um behinderte Kinder oder Kinder mit Migrationshintergrund handelt oder nicht. In den heterogenen Kita-Gruppen haben Kinder unterschiedlichste Voraussetzungen, Vorerfahrungen und Interessen. Inklusion realisieren, das bedeutet, allen Kindern durch eine bewusste Gestaltung von Lernsituationen und Lernumgebungen zu ermöglichen, sich entsprechend ihrer aktuellen Lebenssituation weiter zu entwickeln.“  (Sprekels-Hülle 2014, S. 24)

LITERATUR:

Greving, Heinrich; Ondracek Petr: Heilpädagogisches Denken und Handeln.
Eine Einführung in die Didaktik und Methodik der Heilpädagogik, Stuttgart 2009

Schäfer, E. Gerd: Was ist frühkindliche Bildung?
Kindlicher Anfängergeist in einer Kultur des Lernens,
2. Auflage. Weinheim und Basel 2014

Sprekels-Hülle, Anneliese: Inklusion und die Gestaltung der Lernumgebung.
In: TPS 7. 2014, S. 24 – 27

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